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Zu Gast beim BAG – teure Medikamente im Fokus

Der Anlass vom 17. Mai 2019 startete mit der Präsentation von BAG Vize-Direktor Thomas Christen zum Stand der Umsetzungsarbeiten im Nationalen Konzept Seltene Krankheiten. (Details siehe Beitrag Tag der Seltenen Krankheiten sowie Präsentation). 

Danach wurde das Thema teure Medikamente aus verschiedenen Perspektiven thematisiert. Den Anfang machte ProRaris-Vorstandsmitglied Reto Weibel, der von der seltenen Krankheit «Cystische Fibrose» betroffenen ist. Er betonte, dass sich Patienten zwischen Hammer und Ambos fühlen, wenn das BAG und die Pharmafirma über den Preis für ein Medikament streiten, das von der Zulassungsbehörde Swissmedic bereits zugelassen wurde und die Betroffenen sehnlichst erwarten. Es ist nicht an den Patienten den Preis eines Medikaments zu bestimmen. Dennoch sollten sie zusammen mit den Fachärzten in den Entscheidungsprozess miteinbezogen werden. Denn letztlich können sie selbst am besten den Nutzen, den ihnen das Medikaments bringt, beurteilen. 

Herr Dr. Buhholzer von Interpharma vertrat die Position der Pharmaindustrie und unterstrich, dass Patienten heute immer länger auf die Vergütung von Medikamenten durch die Versicherungen warten. Eine rasche Preisbildung und somit geregelte Vergütung für den Patienten sei sowohl im Interesse der Betroffenen als auch der Industrie, die möglichst rasch Geld verdienen möchte. Er relativierte die Kosten von orphan drugs im Verhältnis zu den Gesamtkosten unseres Gesundheitssystems. Die Diskussion sollte sich nicht um den Preis drehen, sondern vor allem um den Nutzen für die Patientinnen und Patienten. Dabei müsse auch der Gewinn an Produktivität und Lebensqualität mitberücksichtigt werden.

Frau Dr. Schafroth, Präsidentin des Verbandes der Vertrauensärzte präsentierte das Formular, das die Vereinigung zur Beurteilung von nicht-onkologischen Fällen erarbeitet hat, welche gemäss Art. 71 vergütet werden (OLUtool NonOnko). Dabei betonte Frau Schafroth, das wichtige Prinzip: Grundsätzlich entscheidet ein Vertrauensarzt nicht, er empfiehlt. Anhand eines praktischen Beispiels zeigte Sie die Anwendung des Tools auf, das zu einer einheitlicheren Beurteilung der Wirksamkeit von Therapien beitragen soll. Die Vertrauensärzte sehen durchaus noch Optimierungspotenzial. Ein Ansatz wäre beispielsweise den Wirkmechanismus des Medikaments bei der Beurteilung stärker zu berücksichtigen. 

Prof. Krone durchleuchtete das Thema aus ethischer Optik. Auf der einen Seite steht der Wunsch nach hoher Rentabilität und die grundsätzlich hohe Zahlungsbereitschaft in der Gesellschaft, auf der anderen Seite die Patienten, die unterversorgt sind, und gerade in Fällen, in denen keine Therapie verfügbar ist (und das sind die allermeisten), Fürsorge und Zuwendung benötigen. Die beschränkten Ressourcen des Gesundheitssystems sollten so eingesetzt werden, dass sie maximalen Nutzen erzielen. Das bedeutet, dass man auch unbequeme Entscheidungen treffen muss, ansonsten leiden darunter mehr Menschen als nötig. Für die Erarbeitung von tragfähigen Lösungen braucht es die Mitwirkung aller Stakeholder.

Die anschliessende kurze Diskussion zeigte, dass das Thema herausfordernd ist. Unterschiedliche Bedürfnisse sind in Einklang zu bringen: ein rascher Zugang zu Therapien für Patienten, tragbare Gesundheitskosten, individuelle Bedürfnisse versus die Solidarität der Gesellschaft, wirtschaftliche Interessen…

Schade wurden die Positionen des BAG und der Versicherer nicht erläutert. In der Pause und auch nach dem Ende der Veranstaltung führten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rege Diskussionen. Der Bedarf sich auszutauschen ist gross. Es ist wichtig, dass sich alle beteiligten Akteure zusammensetzen, um gemeinsam gangbare Lösungen zu erarbeiten!

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